Japan wurde in den vergangenen Tagen gleich von drei Katastrophen heimgesucht. Ein schweres Erdbeben der Stärke 8,9 auf der Richterskala und in der Folge ein Tsunami, der die Nordostküste des Landes traf und tausende Menschen in den Tod riss. Auf diese beiden Naturkatastrophen folgte unvorstellbare Zerstörung und eine Atomkatastrophe steht bevor. Millionen Menschen müssen evakuiert werden.
Im Zuge dieser atomaren Bedrohung hat auch in Deutschland die Diskussion um die vor wenigen Monaten beschlossenen Laufzeitverlängerung der deutschen Atommeiler neu begonnen. Proteste werden aktuell organisiert, Mahnwachen und Menschenketten abgehalten. Die Forderung an die Politik wird laut, jetzt endgültig den Schritt aus der Atompolitik zu vollziehen. Keine unberechenbaren Risiken mehr? Keine Diskussion um Endlager? Endlich eine sauberei Energiepolitik…
All diese Forderungen klingen plausibel, haben aber einen schweren Fehler. Jeder einzelne schiebt die eigene Schuld, die eigene Verantwortung auf die Politik ab, obwohl jeder bereits heute selbst ein Zeichen setzen könnte. Jeder einzelne Stromverbraucher erwartet heute rund um die Uhr verfügbaren Strom, für seinen Fernseher, für sein TV, für sein Handy. Der Strom kommt aus der Dose, wie er produziert wird: Interesse Mangeware. Es gibt heute bereits unzählige Anbieter von Strom aus regenerativen Energien – Sonne, Wind, Wasser, Biomasse – und dennoch entscheidet der Verbraucher nach einem, dem Preis. Solange der Atomstrom günstig ist, wird der Verbraucher nach dem Geldbeutel entscheiden und der eigene Denkprozess nach sauberen Energien kommt nicht in die Gänge. Die Industrie entwickelt mit Hochdruck an Elektroautos, um damit die CO2-Belastung durch den Autoverkehr zu senken, die Folge ist ein noch größerer Stromverbrauch.
Eines ist klar, bereits heute gäbe es genügend Alternativen, selbst auf Atomstrom zu verzichten und damit die Stromkonzerne zur Umkehr zu zwingen, aber Fehlanzeige. Solange der Verbraucher nicht selbst umdenkt und aufhört, die Schuldfrage bei der Politik zu suchen, wird sich die Energiepolitik in Deutschland nicht ändern, dabei spielt die Farbe der Bundesregierung keine Rolle.