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Fankulturen wachsen vs. wie “kaufe” ich mir Fans

Ich finde es doch immer wieder spannend, grundlegende Fehler im Social-Media-Marketing auf dem Tablett serviert zu bekommen. Im neusten Fall zeigt sich wieder eine Strategie, die keine ist. Das Phänomen, wie bekomme ich Fans oder wie binde ich Fans, hat im Grundsatz zwei Ausprägungen. Entweder man startet ein Gewinnspiel mit der Bedingung, du musst Fan unserer Facebook-Page werden, um daran teilzunehmen oder man startet ein Gewinnspiel unter den “treuen” Fans, die bereits da sind. Beides ist keine Social-Media-Strategie, sondern ein verzweifelter Versuch, ein Produkt, was unsexy ist, künstlich zu hypen. Mit dieser Methode erreicht man keinen “echten” Fan, sondern greift sich die den sogenannten “Schnäppchenjäger”, der nur schnell etwas gewinnen möchte und im besten Fall nach Beendigung des Gewinnspiels seinen Fanstatus wieder löscht. Im schlimmsten Fall bleibt er sogar Fan und nutzt die Plattform, seinen eigenen Frust in Zukunft dort auszulassen.

Nun, schauen wir uns das konkrete Beispiel an. Wieder trifft es volksfreund.de auf Facebook. Heute bedankt man sich bei 1.100 Fans und verlost unter allen “Likern” 5×2 Freikarten für ein Heimspiel der Trierer Eintracht.

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Ein Marketing-Gau der Extraklasse

Der Viehmarkt war beim Trierer Altstadtfest wieder die Partymeile für die jüngere Generation. Fette Musik, meist von BigFM DJs, und die Möglichkeit zum Bungee Jumping mit dem Jochen Schweizer Team gepart mit chilligen Ständen, wie den der Jungs von Trick17. Für die jüngere Generation war der Platz richtig gut aufgezogen.

Verwundert rieb sich dann aber der Besucher des Viehmarkts die Augen, als der Blick am großen “Steil”-Kran vorbeiging. Die Sparkasse Trier wollte besonders hip sein und leuchtete die Büros mit roten Lampen aus und projezierte in großen weißen Lettern an die Fassade: “Link us on Facebook – facebook.de/sparkassetrier.” Mal abgesehen davon, dass die rote Beleuchtung eher an bestimmte Etablissements erinnert, kann man diese Idee wirklich noch als originell und gelungenes Branding ansehen, die Projektion mit der Facebook-Werbung wirkte hingegen nur peinlich. Was will uns ein konservatives Bankhaus, hier die Sparkasse, eigentlich vermitteln? Eines ist jedenfalls sicher, ein Unternehmen wird nicht dadurch hip, weil es Gewinnspiele anbietet oder Meet & Greets auf Facebook verlost. Dahinter muss eine echte Strategie stehen, ansonsten wird das alles sehr schnell zum Marketing-Gau der Extraklasse.

An dieser Stelle muss ich dem Juraprofessor Hoeren in seinem Beitrag beipflichten:

Es gebe sogar bestimmte Unternehmen, die müssten in Facebook sein, etwa Coca-Cola. “Das ist ein Produkt, das braucht ein gewisses Image und über dieses Produkt kann man sich auch austauschen.” Bei einer kleinen bayerischen Volksbank könne er den Facebook-Gang hingegen nicht nachvollziehen. “Die dürfen sich nicht wundern, wenn sie dann zwölf Freunde und fünf Einträge haben. Und da kann man nur grundsätzlich warnen und sagen: überlegt euch, was ihr da tut.”

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Was das Internet kann!

Das Internet ist mächtig! Google zeigt uns seit Jahren, wie man für den Nutzer einen Nutzen schafft (in Form von möglichst guten Suchergebnissen) und dabei mächtig Geld verdient (durch personalisierte Werbeanzeigen rund um die Suche). Ganz neue Dimensionen erreichen soziale Medien, wie Facebook und Twitter (global) oder Partyface als regionale Plattform. Über Facebook und Twitter werden in Nordafrika und dem Nahen Osten Protestaktionen organisiert, zwei Machthaber (Ben Ali und Mubarak) sind bereits dem Druck der Bürger erlegen. Aktuell entwickelt sich eine ganz neue Art der Mitbestimmung und Meinungsäußerung, vorrangig geprägt durch junge Menschen und das Internet.

Deutschland erlebt seit zwei Wochen die neue Macht des Internets in Bezug auf die “Plagiatsäffare” rund um Karl-Theodor zu Guttenberg. Als vor zwei Wochen erste Indizien auftauchten, der damalige Verteidungsminister hat bei seiner Dissertation im großen Stil geschummelt, glaubten viele an eine Hetzkampagne der Medien. Im Netz wurde ein Wiki angelegt, das sogenannte “GuttenPlag”, was dazu diente, kopierte Stellen in der Dissertation des CSU-Politikers ausfindig zu machen. An der Arbeit konnte sich jeder beteiligen! Parallel dazu erstellte Tobias Huch auf Facebook eine Pro Guttenberg Fanseite mit dem Titel “Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg”, der sich bis heute 335.000 Menschen anschlossen.

Heute hat Karl-Theodor zu Guttenberg sein Amt als Verteidigungsminister niedergelegt. Die Solidaritätsbekundungen mit dem Politiker ebben im Netz nicht ab. Die Fanseite “Wir wollen Guttenberg zurück” auf Facebook hat es geschafft, in zehn Stunden über 200.000 Unterstützer zu finden. Viele weitere Seiten existieren zum gleichen Thema.

Wir haben in den letzten Wochen an einer neuen Art der Meinungsbildung und Meinungstransformation teilgenommen. Eine Welt, die Machthaber mit Hilfe des Internets stürzt, ein Land, was seinen beliebtesten Politiker durch das Internet verliert, ihm aber gleichzeitig eine nie dagewesene Solidaritätsbekundung ausstellt. Wir sind angekommen, im Web 2.0!

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